Unsere engere Heimat weist relativ frühe Besiedlungsspuren auf; im Nassauischen Museum in Wiesbaden
befinden sich Belege einer keltischen und später fränkischen Besiedlung aus der Steinbacher
Gemarkung. Das Heidenhäuschen als keltische Fliehburg ist ein wichtiges Indiz dafür.
Wann es nun tatsächlich zu einer Herausbildung eines Dorfes kam, kann nicht gesagt werden.
Im Gegensatz zu vielen anderen Nachbardörfern, wird Steinbach relativ spät direkt erwähnt.
Auch aus dem Ortsnamen läßt sich nichts herauslesen.
Aus dem Dunkel der Geschichte tritt Steinbach erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Wohl zwischen 1212
und 1215 erhält das Prämonstratenserkloster Sayn (bei Bendorf) Ländereien in Steinbach
geschenkt. Die Schenkung ist in einer Chronik aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts überliefert,
jedoch sind Besitzungen des Klosters in unserem Heimatort seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar.
Die erste sichere urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1271 (siehe beigefügte Urkunde).
Zwei Brüder aus Steinbach verkaufen ihre Güter an das Zisterzienserkloster Marienstatt (bei Hachenburg),
das planmäßig Höfe und Ländereien im Limburger Becken erwirbt.
Die Verbindungen zu diesem Kloster, das der größte Grundbesitzer in Steinbach ist,
reichen bis zur Säkularisation im Jahr 1803. Auch hatten das Prämonstratenserkloster Arnstein
(bei Obernhof/Lahn), Prämonstratenserinnenkloster Beselich (bei Obertiefenbach), das Benediktinerinnenkloster
Dirstein (heute Schloß Oranienstein/Diez) umfangreichen Grundbesitz in Steinbach.
Da Steinbach bis in die Frühe Neuzeit (1564) verschiedene Herren gehabt hatte, so beispielsweise zur
gleichen Zeit den Kurfürsten von Trier, den Grafen von Nassau-Dillenburg und andere Erben der Grafen von
Katzenelnbogen, kam es nie zu einer richtigen Herausbildung einer Landesherrschaft. Die Bewohner waren weitgehend
frei. Die Abhängigkeiten waren geringerer Natur. Mit dem Übergang Steinbachs zum Grafen von Nassau-Dillenburg
wurde in dem katholischen Ort das lutherische Bekenntnis eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Ort Steinbach
eine Filliale der Pfarrkirche in Dietkirchen. Mit dem Glaubenswechsel wurde die Pfarrei Oberweyer gebildet, zu der
Steinbach bis zu Beginn der 1920er Jahre gehörte. Erst danach kam es zur Bildung einer Pfarrvikarie.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wechselten die Bewohner mit ihrem Grafen zum calvinistischen Glauben. Die
Konvertierung des Grafen, späteren Fürsten, Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, führte auch Steinbach
wieder zum katholischen Glauben zurück. Die katholische Prägung zeigt sich beispielsweise im Wahlverhalten
der Bevölkerung in den Jahren 1932 und 1933, die sich gegen die Verlockungen der Nationalsozialisten besonders
resistent zeigte.
War die ursprüngliche Besiedlung des Dorfes um den heutigen Friedhof herum, auf dem bis circa
1820 eine Kirche stand, die dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht war, so wurde das Dorf nach den verheerenden
Zerstörungen im Dreißigjährien Krieg (1618-1648) entlang der wichtigen Verkehrsverbindung wieder
neu errichtet. Von dem Abriß unter anderem Steinbachs, zur Belagerung von Dietkirchen, berichtet die Limburger
Chronik des Johannes Mechtel.
Bis heute ist die Entwicklung unseres Dorfes eng mit den Straßen verbunden. Steinbach war und ist eine
wichtige Straßenkreuzung. Dort trafen sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Nothelferkapelle
die in west-östlicher Richtung verlaufende Koblenz-Wetzlarer Straße, die aus Süden von Limburg
herkommende "Lange Meil", die sich dann nördlich der Steinrütsche in eine Straße nach
erborn/Dillenburg und Rennerod/Siegen teilte. Erst durch die Begradigung der Meil im Rahmen der napoleonischen
Feldzüge zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu einer östlicheren Verlagerung Richtung Obertiefenbach. D
ie heute so wichtige Verbindungsstraße zwischen Waldbrunn und Steinbach wurde erst gegen Mitte des
19. Jahrhunderts als sogenannte Nachbarschaftsstraße errichtet. Eng mit der Straßenkreuzung hängt
auch der Steinbacher Markt zusammen.
Seit 1769 plante der Fürst von Oranien-Nassau die Errichtung eines Marktes. Steinbach schien im dazu geeignet,
da es verkehrsgünstig lag und somit eine Konkurrenz gegen den Markt des kurtrierischen Dietkirchen bilden konnte.
Durch die Zeitgleichheit und die günstige Lage, konnte Dietkirchen nicht mithalten, so daß es zu langen
Auseinandersetzungen kam. Letztendlich einigte man sich auf die Verlegung des Steinbacher Marktes auf den zweiten
Dienstag nach St. Michael (29. September), was auch heute noch so gehandhabt wird. Der Dietkirchener Markt konnte
sich von der starken Konkurrenz nicht mehr erholen und ging schließlich ein, während sich der Steinbacher
Markt als sogenanntes "Oktoberfest des Westerwaldes" weiterhin eines ausgesprochen guten Zuspruchs erfreut.
Der Steinbacher Markt ist ein ganz besonderes überregionales Ereignis. Jedes Jahr am zweiten Wochenende nach dem Namenstag des heiligen Michael (29. September) feiern die Steinbacher Kirmes und im Anschluß daran Dienstags den traditionellen Steinbacher Markt. In 2008 fand der Steinbacher Markt zum 240.ten mal statt. Hier finden Sie das im hessischen Staatsarchiv Wiesbaden recherchierte Orginalprotokoll (PDF-Datei 152kB) der Ersterwähnung.
Geprägt war Steinbach bis ins 20. Jahrhundert von der Landwirtschaft; jedoch konnte schon ab der Mitte des
19. Jahrhunderts diese allein die wachsende Bevölkerungszahl nicht mehr ernähren. Auch in Steinbach kam es
zu Auswanderungen, die jedoch im Gegensatz zu anderen Dörfern sehr gering waren. Parallel wie überall in
unserer näheren Umgebung kam es zu Wanderbewegungen der Bewohner: Sie zogen als "Händler" bis in die 1960er
Jahre von Ort zu Ort, um Waren zu veräußern. Seit der Industrialisierung zogen viele als Arbeiter ins
Ruhrgebiet aber auch entferntere Gebiete. Die Verbindung mit dem Ort war jedoch immer gegeben. Nach einem halben
Jahr harter Arbeit kamen sie dann wieder in ihren Heimatort zurück. Durch die Motorisierung im 20. Jahrhundert
wurde die Abwesenheit von Familie und Dorf reduziert.
Auch heute pendeln täglich viele zu ihren Arbeitsstätten beispielsweise ins
Rhein-Main-Gebiet. Die zentrale Lage zur den modernen Nord-Süd (A 3) und Ost-West-Verbindungen (B 49),
zum ICE nach Köln und Frankfurt, machen Steinbach zu einem attraktiven Standort, dessen dörflicher
Charakter durch die historische Prägung nicht verloren gegangen ist.
Übersetzung
1271, Dezember 13
Gerhard und Rudolf, Gebrüder, genannt von Steinbach (Steininbag), bekunden,
daß sie ihre Güter in Steinbach dem Abt und Konvent in Marienstatt
(de loco sancte Marie in Nystere) für eine gewisse Geldsumme, die diese ihnen bezahlt haben,
verkauft haben. Sie verzichten auch auf alles Recht, das sie etwa an den Gütern, die dem Abt und
Konvent sonst zu Steinbach heimgefallen sind, haben. In Ermangelung eines eigenen Siegels besiegelt der
Edle H., Vogt von Hachenburg, das Geschäft.
Quelle:
Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt.74, Nr.65
(siehe das Regest bei W.H. Struck, Das Cistercienserklsoter Marienstatt im Mittelalter.
Urkundenregesten, Güterverzeichnisse und Nekrolog, Wiesbaden 1965, S.41, Nr.85).