An Kirmes Freitag ist es endlich wieder soweit. Die in dieser Zeit wohl wichtigste Gruppe in Steinbach sind die Kirmesburschen. Die Kirmesburschen und -mädchen treffen sich fast jede Woche um alle Eventualitäten zu besprechen und um die nötigen Vorbereitungen zu treffen(sicherlich wird dabei auch das ein oder andere Bier getrunken). Was wäre die Steinbacher Kirmes und der Markt auch ohne die Kirmesburschen, die sich darauf freuen die alten Traditionen Steinbachs am Leben erhalten.
Wie in allen Jahren so haben auch die Kirmesburschen in diesem Jahr auf Ihren Hemden ein Wappen aufgenäht. Und wie in allen Jahren ist darauf ein Löwe zu sehen. Mit diesem Löwenwappen hat Johann von Steinbach schon 1418 als Schöffe in Limburg gesiegelt. Der Löwe auf dem Kirmeswappen trägt zusätzlich noch einen Kirmeshut und hält einen Bierkrug in der Hand, diese beiden Symbole sind ein Zeichen für die Kirmes.
Kirmes und Markt in Steinbach Jedes Jahr am zweiten Wochenende nach dem Namenstag des heiligen Michael (29. September) feiern die
Steinbacher Kirmes und im Anschluß daran Dienstags den traditionellen Steinbacher Markt. Beide Feste
sind stark miteinander verbunden, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, daß der Steinbacher Markt
nicht, wie viele Märkte in anderen Dörfern des Westerwaldes, in Vergessenheit geraten ist. Ein weiterer
Grund für die noch immer große Popularität des Marktes (es strömen jedes Jahr mehrere tausend Besucher
nach Steinbach) ist, daß einige Nachbargemeinden, wie z.B. Niedertiefenbach am selben Wochenende
Kirmes feiern und den Abschluß ihrer Kirmes in Steinbach begehen.
Verbunden mit der Kirmes, die mit Sicherheit viel älter ist als der Markt (denn schon 1440 wird eine
Kirche in Steinbach erwähnt, die Johannes dem Täufer geweiht war), sind viele alte und auch neuere
Bräuche, wie z.B. das Suchen des Kirmeshammels. Eine Woche vor Beginn der Kirmes muß der Hammel in
Steinbach versteckt werden. Jugendliche machen sich dann meistens nachts auf die Suche nach dem
Kirmesmaskottchen und versuchen es den Kirmesburschen zu entführen. Gelingt es ihnen muß die
Kirmesgesellschaft an Kirmesfreitag ein "Lösegeld" in Form von Freibier an die "Entführer" bezahlen.
Denn am Freitag beginnt die Kirmes mit dem Waschen des Kirmeshammels und anschließendem geselligen
Beisammensein in einer Gastwirtschaft.
Offiziell wird das Kirchweihfest aber am Samstag nachmittag mit einem Umzug
eröffnet. Die Kirmesburschen und ihre Mädchen ziehen dann durch das Dorf und stellen vor jeder
Gastwirtschaft einen Kirmesbaum. Dieser Brauch ist auch beider Steinbacher Bevölkerung sehr beliebt
und beteiligen sich jedes Jahr mehrere hundert Steinbacher an diesem Umzug. Höhepunkt ist das
Stellen des großen Kirmesbaumes auf dem Marktplatz. Da der große Baum nur mit Körperkraft gestellt
wird, helfen stets ehemalige und zukünftige Kirmesburschen mit. Der von den Kirmesmädchen mit bunten
Bändern geschmückte Baum, ist somit ein schon von weitem sichtbares Zeichen dafür, daß die Kirmes eröffnet ist.
Am Samstag abend spielt dann in der Halle eine Kapelle zum Tanz auf.
Am Sonntag morgen findet in der Kirche ein Festgottesdienst mit anschließendem Stellen eines Kirmesbaumes
auf dem Kirchplatz statt. Außerdem trifft man sich Sonntags und vor allem Montags zum Frühschoppen und
abends zu Tanzveranstaltungen in den Gastwirtschaften.
Am Dienstag ist dann der große Tag gekommen.
Der Kram-und Viehmarkt. Auf dem Marktplatz und in den Straßen rund herum herrscht schon früh geschäftiges
Treiben der Händler, die ihre Buden und Stände für die vielen Besucher des Steinbacher Marktes herrichten.
Ein Zeichen dafür, daß der Steinbacher Markt sich noch immer sehr großer Beliebtheit erfreut, ist daß die
Zahl der Händler in den letzten Jahren zugenommen hat.
Der Steinbacher Markt wurde spätestens im Jahr 1768 abgehalten (Kurtierisches Protokoll vom 19.09.1769).
Er stand zuerst in starker Konkurrenz mit dem Dietkirchener Markt. Die Nassauische Regierung legte den
Termin mit Absicht so fest um den Dietkirchener Markt zu schädigen (Dietkirchen gehörte nicht zu Nassau),
was auch gelang.
Märkte hatten in der damaligen Zeit eine wichtige Funktion.
Sie fanden meist nach der Erntezeit statt. Die Landwirte konnten so Teile ihrer Ernte verkaufen und
auch wichtige Dinge einkaufen, die sie sonst über das Jahr hinweg nicht erwerben konnten.
Außerdem war und ist der Steinbacher Markt ein Treffpunkt.
Viele Menschen kommen hierher und treffen alte Freunde und Bekannte, die sie schon viele Jahre nicht
mehr gesehen haben wieder. Die Gastwirtschaften und Stände laden mit ihrem Angebot an Speisen und
Getränken zum verweilen ein, so daß alte und neue Geschichten und Begebenheiten ausgetauscht oder
einfach nur auf das Wiedersehen angestoßen werden kann.